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10 aus 164 – Aktuelle Nachrichten aus dem openTA-Newsdienst

10 aus 164 – Aktuelle Nachrichten aus dem openTA-Newsdienst
Quelle: Nr. 2, 24. Jahrgang, S. 58-59 Link:
Datum: August 2015
TATuP-Labor

TATuP-Labor

Wohin mit dem Nano-Müll?

Am 3. 6. 2015 gab das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ITA) in Wien den Abschluss seines Projekts NanoMia bekannt. Das Projekt hatte sich im Auftrag des Österreichischen Umweltministerums mit der Frage befasst, wohin mit dem Nano-Müll? Man stutzt: Teilchen in der Größenordnung von einem Milliardstel Meter und kleiner sollen ein Müll-Problem darstellen? Das Problem ist keines der Menge, sondern der möglichen Toxizität. Aber Genaues weiß man nicht, da nicht immer klar ist, in welchen Produkten überhaupt Nanoteilchen enthalten sind. Eine offizielle Kennzeichnungspflicht für Nanomaterialien existiert EU-weit nur für Kosmetika und Biozide. Derzeit fänden Nanomaterialien hauptsächlich über Bauschutt oder Klärschlamm ihren Weg in die Umwelt, so die ITA-ForscherInnen André Gazsó und Daniela Fuchs. Vier Kurzberichte liegen nun vor, u.a. zu Nanomaterialien im Abwasser und in der Müllverbrennung.

Energiewende und kein Ende

Über einen lokalen Ansatz, die Energie-wende umzusetzen, berichteten sowohl die European Academy of Technology and Innovation Assessment GmbH (EA) als auch das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) am 20. 4. bzw. 1. 6. 2015. Beide NTA-Mitgliedsinstitutionen arbeiten im Projekt EnAHRgie (Nachhaltige Gestaltung der Landnutzung und Energieversorgung auf kommunaler Ebene – Umsetzung für die Modellregion Kreis Ahrweiler) mit zwölf weiteren Partnern – nicht nur aus der Wissenschaft – zusammen. Gefördert wird das Projekt durch das BMBF im Förderschwerpunkt Nachhaltiges Landmanagement. Der Landkreis Ahrweiler hat sich das Ziel einer Energieversorgung aus 100 % erneuerbarer Energie gesetzt, steht damit aber noch ganz am Anfang. Das Projekt zielt darauf ab, Methoden dafür zu entwickeln, dezentrale Akteure bei der Gestaltung einer nachhaltigen Landnutzung mit Schwerpunkt auf der Energieversorgung zu gewinnen und zu beteiligen. Die in Bad Neuenahr-Ahrweiler ansässige EA kann bei diesem Projekt sozusagen vor der eigenen Haustür forschen.

Nachhaltigkeit durch Minicomputer?

Apropos Nachhaltigkeit, Energiewende und eigene Haustür: Das in Berlin und Heidelberg angesiedelte Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) bewegt sich nicht nur schwerpunktmäßig im Themenfeld der Nachhaltigkeit, sondern ist bestrebt, diese auch im eigenen Haus umzusetzen. Seit Anfang des Jahres setzt das IÖW energiesparsame Mini-Computer im Testbetrieb ein, die so groß wie ein Kartenspiel sind, so eine Meldung vom 24. 6. 2015. Die vier Minicomputer basieren auf dem Einplatinencomputer Raspberry Pi 2, der von der gemeinnützigen britschen Raspberry Pi Foundation entwickelt wurde. Die Minicomputer haben keine beweglichen Teile, arbeiten völlig geräuschlos und sind sehr energiesparend, da sie unter Last lediglich 2,5 Watt Leistung aufnehmen. Ein durchschnittlicher PC verbraucht im Vergleich etwa 100 mal mehr Energie. Die Produktion wurde aufgrund der unerwartet hohen Nachfrage 2012 von China nach Wales verlegt. So werden zusätzlich Transportkosten und klimarelevante Gase eingespart. Die Ergebnisse dieses Versuchs der IÖW-KollegInnen werden nicht nur die TA-Community interessieren.

Hype-Thema Elektromobilität

Ein weiteres Hype-Thema im Technologiediskurs ist die Elektromobilität. Das spiegelt sich auch in den Nachrichten der NTA-Mitgliedsinstitutionen wider. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) berichtete am 16. 6. 2015, dass das Thema in den Städten und Gemeinden „angekommen“ sei. 78 % der Städte und Gemeinden würden bereits Aktivitäten umsetzen bzw. konkrete Aktivitäten für 2014 planen. 44 % gelten in Sachen Elektromobilität als aktiv oder sehr aktiv. Diese Angaben basieren auf einer 2014 durchgeführten schriftlichen Umfrage bei 193 Kommunalverwaltungen.

Das Öko-Institut meldete sich am 13. und 15. 6. 2015 gleich dreifach zum Thema Elektromobilität. Florian Hacker präsentierte im Rahmen der nationalen Konferenz der Bundesregierung „Elektromobilität: Stark in den Markt“ die These, dass Elektromobilität einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im Verkehrssektor leisten könne. Das erfordere aber einen erheblichen zusätzlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien und eine Trendwende in der Verkehrsnachfrage. Die Energiewende müsse um eine Verkehrswende ergänzt werden.

Ebenfalls unter Beteiligung des Öko-Instituts wurde eine Studie zur Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität in gewerblichen Anwendungen erarbeitet. Darin heißt es zusammenfassend: Grundsätzlich zeige der Gesamtkostenvergleich auf, dass Elektrofahrzeuge in gewerblichen Anwendungen teilweise bereits kurzfristig wirtschaftlich betrieben werden könnten. Dafür seien besonders geeignete Fahrzeugnutzungsprofile sowie günstige steuerliche Rahmenbedingungen nötig. Maßgeblich seien jedoch auch die zukünftigen Energie- und Batteriepreise. Verlässlichere Aussagen zu deren Entwicklung würden die Unsicherheiten der Wirtschaftlichkeitsanalysen – und damit die Investitionsrisiken für Unternehmen – reduzieren. Nur, so fragt sich der Leser, wie kommt man zu diesen verlässlicheren Aussagen? Die identifizierten wirtschaftlichen Potenziale seien bisher in der Praxis nur in einem sehr geringen Maße erschlossen.

Am gleichen Tag positioniert sich das Öko-Institut mit weiteren Partnern erneut zum Thema und zwar mit dem Positionspapier „IKT für Elektromobilität“. Auch hier ist der gewerbliche Verkehr ein Thema. So wird etwa hervorgehoben, dass die Fahrstrecken im gewerblichen Verkehr meist gut planbar seien und die Fahrzeuge immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehren, so dass sie nicht auf eine öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen seien und relativ einfach als Pufferspeicher in das Stromnetz eingebunden werden könnten.

Tagungen und Konferenzen

Die Frage „Was bringt uns die Zukunft?“ steht über einer Nachricht des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ITA) in Wien. Wir ahnen schon, dass sie nicht beantwortet wird. Berichtet wird über die 15. TA-Jahrestagung des ITA. Diese TA-Tagungen Anfang Juni sind ein fest etablierter und beliebter Termin im Jahreskalender eines jeden TA-Interessierten – und das nicht nur wegen des abendlichen Heurigen, zu dem die Wiener immer einladen, sondern vor allem auch wegen der anregenden Konferenzbeiträge und vielfältigen Begegnungen. In ihrer Eröffnungsrede fragte Lena Illmola-Sheppard, warum es uns so vorkomme, dass die Zukunft immer unsicherer sei. Das hinge damit zusammen, dass wir immer öfter erleben, wie vermeintlich Unmögliches möglich werde. Das verunsichere uns. Prognosen könnten aber nur bedingt dabei helfen, Zukunft steuerbar zu machen. Unsere Sicht auf die Welt spiele bei Prognosen immer eine Rolle. Wir verwendeten Methoden, die auch unsere Werte widerspiegeln. Wesentlich sei jedenfalls, Unwahrscheinlichkeit höher zu bewerten. Wenn wir einfangen wollten, was noch niemals da war, müssten wir komplexere Szenarien anwenden.

Schon sechsmal gab es die NTA-Konferenzen und für die Zukunft scheint sicher zu sein, dass die nächste und siebente NTA-Konferenz vom 16. bis zum 18. 11. 2016 (!) in Bonn stattfinden wird. Das kündigt jedenfalls die Europäische Akademie an. Die NTA7 findet dann zusammen mit der Jahrestagung der EA statt und steht unter dem Leitthema „Grand Challenges meistern – der Beitrag der Technikfolgenabschätzung“. Außerdem soll im Rahmen der NTA7 das zwanzigjährige Bestehen der EA gefeiert werden. Merken Sie sich diesen Termin auf jeden Fall schon einmal vor, auch wenn er noch länger als ein Jahr in der Zukunft liegt.

Quellen

Nano-Müll
http://www.oeaw.ac.at/ita/projekte/news/wohin-mit-dem-nano-muell
(3.6.2015)

Energiewende
http://www.difu.de/projekte/2015/enahrgie-die-lokale-energiewende-umsetzen.htmls
(1.6.2015)
http://www.ea-aw.de/forschung/aktuelle-projekte/enahrgie.html
(20.4.2015)

Minicomputer
http://www.ioew.de/news/article/nachhaltige-it-im-test-energieeffiziente-computer-im-kartenspielformat/
(24.6.2015)

Elektromobilität
http://www.difu.de/publikationen/2015/elektromobilitaet-in-kommunen-ein-stimmungsbild.html
(16.6.2015)
http://www.oeko.de/publikationen/p-details/beitrag-der-elektromobilitaet-zur-minderung-derumweltwirkungen-des-verkehrs/
(15.6.2015)
http://www.oeko.de/publikationen/p-details/wirtschaftlichkeit-von-elektromobilitaet-in-gewerblichen-anwendungen-4/
(13.6.2015)
http://www.oeko.de/publikationen/p-details/positionspapier-ikt-fuer-elektromobilitaet/
(13.6.2015)

Tagungen und Konferenzen
http://www.oeaw.ac.at/ita/veranstaltungen/veranstaltungs-news/was-bringt-die-zukunft
(11.6.2015)
http://www.ea-aw.de/veranstaltungen/ea-jahrestagungen/nta7-2016.html
(3.6.2015)

Dieser selektive Nachrichtenüberblick von Ulrich Riehm basiert auf 164 Nachrichten von neun Mitgliedsinstitutionen des Netzwerks TA, die im zweiten Quartal 2015 über den openTA-Newsdienst verbreitet wurden. Das Themenspektrum dieser Nachrichten ist breit. Es lohnt sich, den openTA-Newsdienst unter https://www.openta.net/news selbst aufzusuchen. Sie können sich Ihr eigenes Nachrichtenprofil schneidern und dieses über Ihr E-Mail-Programm oder einen Feed-Reader empfangen. NTA-Mitgliedsinstitutionen, die bisher ihre Nachrichten noch nicht einspeisen, sind eingeladen, dies zu tun (infoRyx3∂openta net).

Dies ist der erste Beitrag in der neuen Rubrik „TATuP-Labor“, unser Experimentalkasten für den im Zuge des 25-jährigen Bestehens der TATuP anstehenden Relaunch der Zeitschrift. In den kommenden Heften werden wir jeweils ein neues Element zur Diskussion stellen.

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