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Flämische TA-Einrichtung geschlossen

Flämische TA-Einrichtung geschlossen
Autor:

A. Grunwald

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Quelle:

Nr. 3, 20. Jahrgang, S. 110

Datum: Dezember 2011

TA-Nachricht

Flämische TA-Einrichtung geschlossen

Am 24. Oktober 2011 hat das flämische Parlament in Brüssel – nicht zu verwechseln mit dem belgischen Parlament – beschlossen, die Arbeiten seiner Einrichtung zur parlamentarischen Technikfolgenabschätzung, des „Institute Society and Technology“ (IST), auslaufen zu lassen. Als formaler Grund wurde angegeben, dass es nicht Aufgabe des Parlamentes sei, Forschung zu finanzieren.

Das IST wurde in Folge einer Entscheidung des flämischen Parlaments aus dem Jahr 2000, im Jahr 2002 gegründet, damals unter dem Namen „Flemish Institute for Science and Technology Assessment“ (viWTA). Es hat sich unter seinem Direktor Robby Berlosznik rasch unter den europäischen Einrichtungen parlamentarischer Technikfolgenabschätzung profiliert, wurde Mitglied im EPTA-Netzwerk, hat sich an gemeinsamen EPTA-Projekten beteiligt und hatte im Jahre 2005 auch die EPTA-Präsidentschaft inne.

Die Arbeiten des IST umfassen das gesamte Spektrum der TA, mit Schwerpunkten zu Biotechnologie und den Informations- und Kommunikationstechnologien. Besonders bekannt wurde das vom IST koordinierte europaweite partizipative Projekt „Meeting of Minds“. Auch eine öffentliche Veranstaltung zur Nanotechnologie im Stil eines „Science Festivals“ stieß auf internationales Interesse. Das flämische Parlament will künftig nicht gänzlich auf TA verzichten, sondern einen Teil der Aufgaben des IST an seinen wissenschaftlichen Dienst übertragen. Hier sind allerdings noch die Details und der Umfang unbekannt.

Unabhängig davon, ob und was sich hier retten lässt, ist die Schließung des IST ein Schlag für EPTA. IST hat den Gedanken parlamentarischer TA auf der Ebene von Regionalparlamenten verankert (realisiert in der Zwischenzeit auch in Katalonien und möglicherweise demnächst in Wallonien), hat sich in Methodendiskussionen engagiert, hat stark dazu beigetragen, dass sich EPTA von einem losen Zusammenschluss heterogener Partner hin zu einem strategisch operierenden Netzwerk entwickelt hat, und hat insbesondere zur frühen, strategischen und systematischen Erschließung neuer Themen beigetragen.

Kurz vor Redaktionsschluss ging die Nachricht ein, dass für das IST nunmehr nach einer neuen institutionellen Anbindung gesucht wird.

Armin Grunwald