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TA'02: Technikgestaltung im 21. Jahrhundert (Wien, Österreich, 27. Mai 2002)

TA'02: Technikgestaltung im 21. Jahrhundert (Wien, Österreich, 27. Mai 2002)
Quelle: Nr. 3 / 4, 11. Jahrgang, S. 175-176 Link:
Datum: November 2002

Tagungsberichte und Tagungsankündigungen

TA'02: Technikgestaltung im 21. Jahrhundert

Wien, Österreich, 27. Mai 2002

Bericht über die zweite österreichische TA-Konferenz von Walter Peissl, Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) hat nach dem großen Erfolg der ersten österreichischen TA-Konferenz im Mai 2001 beschlossen, dem Bedarf nach einer Plattform für sozialwissenschaftliche Technikforschung in Österreich Rechnung zu tragen und auch im Jahre 2002 eine interdisziplinäre Tagung zu veranstalten. Ging es auf der ersten Konferenz noch vornehmlich darum, die heterogene österreichische Wissenschaftslandschaft im Bereich sozialwissenschaftlicher Technikforschung zu aktivieren und Austausch zu ermöglichen, wurde für TA'02 ein Generalthema gewählt: "Technikgestaltung im 21. Jahrhundert - Im Spannungsfeld von Markt, Regulierung und Partizipation". Vor dem Hintergrund globalisierter Märkte und der EU-weiten Diskussion um Governance und Partizipation wurden auf dieser Konferenz Fragen der Technikgestaltung und der Einflussmöglichkeiten verschiedener Akteure auf diese diskutiert. Anhand von Beispielen aus unterschiedlichen Technologiefeldern (Informations- und Kommunikationstechnologien, Biotechnologie) und aus bestimmten gesellschaftlichen Problembereichen (Nachhaltigkeitsdebatte) wurde das Spannungsverhältnis von Marktmechanismus, politischer Einflussnahme und partizipativen Ansätzen beleuchtet.

Aufgrund des regen Interesses ausländischer, vor allem deutscher KollegInnen an TA'01 wurde für TA'02 der Call auch für WissenschaftlerInnen aus dem Ausland geöffnet - eine Maßnahme, die gut angekommen ist. Von den 27 angenommenen Präsentationen waren ein Drittel aus dem Ausland.

Als Keynote-Speaker konnte Arie Rip vom Centre for Studies of Science, Technology and Society der Universität Twente gewonnen werden. Er referierte zum Thema "TA as an element in reflexive co-evolution of technology and society: one more visible hand?" Im theoretischen Rahmen der Ko-Evolution von Technik und Gesellschaft wird die Technikentwicklung als eine Abfolge von Variation und Selektion verstanden. Rip argumentierte vor diesem Hintergrund für seine beiden zentralen Thesen:

  • Die Institutionalisierung von TA sei ein Indikator für die sich verändernde Ko-Evolution von Technik und Gesellschaft. Das Interesse an TA sei eher ein Effekt dieses Wandels denn ein unabhängiger Input. 
  • TA könne ein Input sein, wenn es die Ko-Evolution reflexiver gestaltete und näher an den Prozess der Technik(mit)gestaltung herankäme.

Durch die Institutionalisierung von TA würden relativ stabile Verfahrensweisen, Regeln und Verbindungen etabliert, die als "invisible hands" bereits jetzt auf den Technikentstehungsprozess Einfluss nähmen. Diese "invisible hands" sichtbar zu machen und als "change agents" bewusst in den Prozess der Ko-Evolution einzutreten sind nach Rip die nächsten Herausforderungen für TA-Akteure.

Wie wichtig in diesem Prozess Partizipation ist und wie vielfältig die Aktivitäten mittlerweile sind, zeigte sich in den darauf folgenden neun Arbeitssitzungen. Allein neun Präsentationen hatten Partizipationsverfahren und praktische Erfahrungen zum Inhalt. Sieben weitere beschäftigten sich mit dem Bereich Nachhaltigkeit. Die Vielfalt der Präsentationen dokumentiert auch, dass je drei den Themen Demokratie, Raum und Markt gewidmet waren. Zwei Vorträge beschäftigten sich mit Aspekten der Regulierung.

Die Details zur Konferenz (Abstracts und Präsentationsunterlagen) können auf der Konferenzhomepage (http://www.oeaw.ac.at/ita/ta02) nachgelesen und abgerufen werden.

Das überaus positive Feedback der TeilnehmerInnen hat das ITA-Team bestärkt, die jährliche TA-Konferenz zu einer festen Einrichtung werden zu lassen. In diesem Sinne wird bereits an der Konzeption der TA'03 gearbeitet. Ein Call for Papers wird noch im Lauf dieses Jahres versandt bzw. auf der ITA-Homepage ausgeschrieben.

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme im Mai 2003 in Wien.