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Das Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Europäischen Kommission

Das Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Europäischen Kommission
Autor: M. Rader
Quelle: Nr. 4, 4. Jahrgang
Datum: Dezember 1995
Schwerpunktthema: Technologievorausschau und Technologiebeobachtung

Das Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Europäischen Kommission

Mit Beginn des Jahres 1995 und einer modifizierten Aufgabenstellung ist das Institute for Prospective Technological Studies (IPTS) der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Union von Ispra (Italien) nach Sevilla (Spanien) umgesiedelt. Aufgabe des Instituts ist die Beobachtung und Verfolgung des technischen Wandels, insbesondere hinsichtlich seiner Wechselbeziehungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Anfangs wird sich das IPTS mit Technologien in den Bereichen Energie, Umwelt, _Informationsverarbeitung, Biologie und Materialien beschäftigen. Später ist eine Ausweitung der Thematik auf das Gesamtspektrum der Technik vorgesehen.

Besondere Vorteile des Instituts sind seine gleichzeitige Verwurzelung in der EU Kultur und eine besondere Sensibilisierung für das Handeln und die Politik der EU. Dies ermöglicht Brückenschläge zwischen den verschiedenen Handlungsfeldern der EU und trägt zur Schaffung einer einheitlichen Wissensbasis bei, die allen beteiligten Akteuren zur Verfügung steht.
Ziel der Arbeit des Instituts ist nicht so sehr die wissenschaftliche Forschung wie die Unterstützung von Entscheidungsträgern bei der Bewältigung des sozio-technischen Wandels.

Hauptadressat für die Arbeit des IPTS ist die Europäische Kommission insgesamt und insbesondere die Kommissarin für Wissenschaft und Technik. Die Entscheidungen, die von diesem Gremium getroffen werden, stehen im Brennpunkt der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung und ergänzen die Entscheidungen auf nationaler Ebene.

Indirekte Adressaten der Arbeiten des IPTS sind deshalb all diejenigen, die solche Entscheidungen auf nationaler und europäischer Ebene vorbereiten, z.B. Kommissionsdienststellen und Einrichtungen in den Mitgliedsstaaten.

Der Auftrag des Instituts läßt sich in drei größere Blöcke aufteilen:

Technikbeobachtung (Technology Watch). Dieser Auftrag ermöglicht den schnellen und zuverlässigen Zugang zu bestehenden technischen Informationen, ihrer Verarbeitung und Verteilung mit der Absicht des Aufmerksammachens der europäischen Entscheidungsträger auf wichtige Ereignisse und Trends mit beachtenswerten sozialen, ökonomischen oder politischen Folgewirkungen. Das Institut strebt die Befriedigung des viel breiteren Bedürfnisses nach einer wahrhaft europäischen Wissenschafts- und Technikbeobachtung an, indem es auf ein Netzwerk ähnlicher Einrichtungen auf Ebene der Mitgliedsstaaten zurückgreift. Alle interessierten Partner teilen sich die Verantwortung für die Beobachtung der technischen Entwicklung im Rahmen eines joint ventures, um sämtliche in technologischer Hinsicht relevante, bedeutsame und herausragende Ereignisse wahrnehmen zu können.

Technik, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Da die Beschäftigung eines der Hauptinteressen von EU Einrichtungen und der Gesellschaft insgesamt ist, ist der Komplex Technik-Beschäftigung-Wettbewerbsfähigkeit die Triebkraft hinter sämtlichen Aktivitäten des IPTS. Dies läuft auf die Identifikation aussichtsreicher Techniken und die Analyse ihres Potentials hinsichtlich der Schaffung neuer Arbeitsplätze, des wirtschaftlichen Wachstums und des gesellschaftlichen Wohlbefindens hinaus. Zusammenstellungen realer Erfahrungen und Analysen werden die Vorzüge und Nachteile sämtlicher erkennbarer Optionen zur Befriedigung des Bedarfs und zur Lösung der Probleme der EU ansprechen. Deshalb wird sich das IPTS in vorausschauenden Studien mit spezifischen Themenstellungen befassen, die sich an einer bestimmten Technologie (z.B. Biotechnologie), einer bestimmten Fragestellung (z.B. individuelle Mobilität) oder Querschnittsaspekten orientieren können. In diesem letzten Feld sind Arbeiten mit regionalen Aspekten (z.B. bezogen auf den Mittelmeerraum) denkbar, sowohl im Rahmen von integrierten Entwicklungsplänen als auch hinsichtlich des Potentials erneuerbarer Energiequellen oder der mit Wasserversorgung verbundenen Probleme.

Arbeit auf Anforderung (Auftragsforschung). Auf konkrete Anforderung führt das IPTS Arbeiten durch zur Unterstützung anderer Kommissionsdienststellen und von EU Einrichtungen als Material für deren Entscheidungsprozesse und/oder Umsetzungsprozesse. Diese Arbeiten sind vollständig mit den übrigen Aktivitäten integriert und profitieren von den Arbeiten zum Technology Watch und den vorausschauenden Studien.

Die Aufgabe erfordert drei wichtige Komponenten:

_ Erstens, Arbeit und Dialog gemeinsam mit den Entscheidungsträgern, um deren Problem zu verstehen, zugrundeliegende Annahmen zu hinterfragen, die Bedürfnisse der Entscheidungsträger besser verstehen zu können und die Informationen auf deren Bedürfnisse hin maßzuschneidern.

_ Zweitens muß das IPTS mit den Akteuren zusammenarbeiten, um von deren reichhaltigem Wissen zu schöpfen und es verstehen zu können und um einen Dialog zwischen den verschiedenen Kräften zu speisen, die am Wandel beteiligt sind.

_ Drittens muß das IPTS mit der Scientific Community und anderen Institutionen zusammenarbeiten, um die Wissensbasis zu verbreitern und um eine Qualitätskontrolle und strenge Wissenschaftlichkeit der bereitgestellten Informationen zu gewährleisten.

Das Institut gibt einige Produkte heraus:

_ Erstens, und am wichtigsten, das monatliche Bulletin zum Technology Watch, das zehn mal jährlich erscheinen soll. Dies enthält die Hauptergebnisse der Technology Watch Tätigkeit und richtet sich hauptsächlich an Entscheidungsträger, obwohl es breit gestreut wird.

_ Zweitens, Prospective Notes, die bei Bedarf erscheinen werden, um auf bestimmte Entwicklungen aufmerksam zu machen. Ziel der Prospective Notes ist nicht lediglich eine Information über die Arbeitsfelder des IPTS, sondern auch die Anregung eines aktiven Dialogs zwischen dem Institut und seinen Auftraggebern. Deren Rückmeldungen sind unabdingbar für die Arbeit des Instituts, die beteiligten Akteure und die Scientific Community.

_ Drittens, Dossiers und Syntheseberichte zu sämtlichen Arbeitsgebieten des Instituts, seien es gründliche Abschätzungen von Techniken, Vergleiche zwischen Regionen oder Ländern, Stärken und Schwächen entstehender Technologien, State-of-the-Art Berichte, Berichte zu eigener Forschung zu Technik und Beschäftigung oder Berichte über Auftragsforschung. Soweit wie möglich, wird diese Information kostenlos veröffentlicht werden und für einen möglichst breiten Kreis von Auftraggebern und sonstigen Interessierten erhältlich sein.

_ Viertens, regelmäßige Berichte zu Technik, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit, die horizontale Analysen dieses Querschnittsproblems enthalten und operationale Schlußfolgerungen, die sowohl aus den eigenen Analysen des IPTS gezogen werden, als auch und vor allem aus der großen Menge von Informationen, die von anderen Institutionen erzeugt werden, die sich mit diesen Themen befassen.

Schließlich wird das IPTS Antworten auf spezifische Fragen geben, die an das Institut vom verantwortlichen Kommissionsmitglied für Wissenschaft und Technik ad-hoc weitergeleitet werden.

(M. Rader, ITAS, nach Selbstdarstellung des ITPS in englischer Sprache)

Kontakt

European Commission
Institute for Prospective
Technological Studies
WTC, Isla de la Cartuja s/n, E-41092 Sevilla
Tel.: + 34 5 4488282