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Editorial

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Author: P. Hocke-Bergler link:
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Nr. 3, 17. Jahrgang, S. 3

Date: Dezember 2008

Editorial

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Wann ist es Zeit zu handeln? Wenn Technikfolgenabschätzung sich mit den Folgen menschlichen Handelns bei der Entwicklung und dem Einsatz neuer Techniken und dabei auftretenden Nebenfolgen auseinanderzusetzen hat, gehört diese Frage zum Kernbereich des Reflexionsraums, in dem sie sich bewegt. Die kontrovers geführte Debatte um die potenziellen Risiken elektromagnetischer Felder, wie sie durch die rasante Entwicklung des Mobilfunks ausgelöst wurde, berührt ebenfalls diese Frage. Und die verschiedenen Autorinnen und Autoren unseres Schwerpunktes wenden sich ihr aus unterschiedlichen Perspektiven zu.

Als sich vor weniger als einem Jahrzehnt ernstzunehmende wissenschaftliche Hinweise auf potenzielle Risiken verfestigten, reagierten nicht nur die Experten, sondern auch die Zivilgesellschaft prompt. Bürgerinitiativen nahmen sich des Themas an und intervenierten vor Ort, trugen ihre Sorgen vor und formulierten zum Teil auch radikale Forderungen – Forderungen, die sich nicht nur an die jeweils regionale, sondern auch an die allgemeineÖffentlichkeit richteten. Die offizielle Politik reagierte ebenso und legte unter anderem das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm auf – ein in seiner Breite beachtenswertes und in seinen Formen innovatives Forschungsprogramm, das auch die Industrie einband. Im Frühsommer dieses Jahres gab schließlich das Bundesumweltministerium Entwarnung, die Hinweise auf (Risiken und offensichtliche) Gefahren hätten sich nicht bestätigt, aber in Teilbereichen tue weitere Forschung Not. Der Protest und insbesondere die vorgetragenen Widersprüche verstummten deswegen natürlich nicht, auch wenn keine eindeutigen Belege auf gesundheitliche Gefährdungen durch die Wissenschaft gefunden werden konnten. Während die einen zwar meinten, die vorgebrachten Sorgen wären aus dem Weg geräumt und die Wissenschaft hätte ihre Aufgabe erfüllt, stellten andere Akteure ihre Wortmeldungen und kritischen Nachfragen nicht ein. „Nachfolgekommunikation“ ist zu erwarten. In modernen Gesellschaften verstummen Debatten eben nicht automatisch, wenn Politik und Wissenschaft Entwarnung geben.

Insofern erscheint es sinnvoll, dass die einschlägige Forschung die Klärung der offenen Fragen weiterverfolgt und auf dieser Ebene handelt. Die Politik und die Stakeholder, die mit dem Einsatz von Mobilfunktechnik befasst sind oder sich advokatorisch als zuständig erklären, werden die diskursive Verhandlung des potenziellen Risikos fortsetzen und diese „Sprechakte“ günstigstenfalls aufeinander beziehen. Schlimmstenfalls, wenn sie dies nicht tun, werden sie bloß ein „verbales Rauschen“ erzeugen, das wenig mehr als zielloses Palaver bewirkt. Dass alle dabei unter Bedingungen der Unsicherheit sprechen werden, wird nicht aus dem Weg zu räumen sein. Gehandelt werden sollte aber trotzdem.

Was gibt es sonst zu vermelden? Armin Grunwald reagiert im Rahmen der Debatte um eine Theorie der TA auf Günter Ropohls Wortmeldung in Heft 3 (2007) und fragt sich, ob eine Theorie der TA eine Theorie der Technisierung sein muss.